Klare Sprache ohne Worte

Aktualisiert: Juni 13

Hallo Freund,

als ich neulich mit dem Auto unterwegs war, kam ich an eine viel befahrene Kreuzung mit abbiegender Hauptstraße.

An dieser Kreuzung gab es keine Ampel.

Wegen des dichten Verkehrsaufkommens musste ich mich in einer Reihe bereits wartender Fahrzeuge einreihen und anstellen.

Nun wartete ich – wie alle anderen vor und nach mir auch. Von Zeit zu Zeit fuhr ich wenige Meter weiter, wartete wieder, fuhr wieder langsam weiter, um dann wieder anzuhalten usw.

Währenddessen ich nun im Stop-and-go so vor mich hin dümpelte, merkte ich, wie ich plötzlich in eine Art „Beobachterrolle“ schlüpfte: Interessiert verfolgte ich, wie die Fahrzeuge auf den unterschiedlichen Straßen in scheinbarer Willkür die Kreuzung passierten: Einmal fuhren zwei nacheinander aus einer Richtung los, dann blieb das nächst wartende auf der gleichen Spur stehen und – wie durch Geisterhand – fuhr aus einer anderen Richtung ein Fahrzeug über die Kreuzung, dann wieder aus einer anderen Richtung… Es war geradezu magisch anzusehen wie all die Autos aus den verschiedenen Richtungen die Kreuzung passierten. Niemand stand da und regelte den Verkehr und auch eine Ampel gab es – wie schon erwähnt – dort nicht. Und doch erfolgte alles flüssig, nahtlos und absolut unfallfrei.

Nun, das Geheimnis dahinter ist nicht schwer zu erraten, denn abhängig von der Fahrtrichtung und den vorhandenen Verkehrsschildern, war es jedem Verkehrsteilnehmer absolut klar, wann er zu fahren oder zu warten hatte.

Und natürlich gibt es im Straßenverkehr jede Menge Schilder, die dafür sorgen, unser Verhalten den jeweiligen Situationen so anzupassen, damit wir bestmöglich von A nach B kommen.

Jetzt frage ich dich, Freund: „Wäre es nicht genial, wenn es auch im alltäglichen Leben solche Hinweiszeichen gäbe?“

John Ortberg, US- amerikanischer Psychologe und Theologe, fragte dies einmal und ich fand das recht interessant. Denn stell dir doch einmal vor, wenn …

• … die Mitarbeiter früh zur Arbeit kommen und sehen, dass der Chef ein Schild umhängen hat, auf dem zu lesen ist: „Ich hatte einen riesen Streit mit meiner Frau. Nähere dich mir heute nur mit größter Vorsicht!“

• … der neu ernannte Projektleiter ein Schild auf der Stirn trägt: „Ich brenne auf diesen Job; ich bin voller Energie; gib mir mehr zu arbeiten, Chef!“

• … dein Kind die Aufschrift trägt: „Ich habe den Mathe-Test verbockt... Bitte nimm mich mal ganz fest in deine Arme!“

Wäre es nicht cool, wenn die Menschen Schilder tragen würden, auf denen steht, wie wir mit ihnen umgehen sollen?

Würde das nicht eine große Hilfe sein - für Leiter, Kollegen, Familienangehörige, Nachbarn, Eltern…?

Nun, die Menschen tragen solche Schilder. Sie tragen tatsächlich derartige Hinweise und Zeichen. Oft können wir sie nur nicht lesen. ;)

Üblicherweise werden die Gemüts- und Stimmungslagen der Personen um uns herum nicht in Worte gefasst, sondern vielmehr unterschwellig mitgeteilt, z.B. durch

• die Körpersprache,

• die Stimmlage,

• den Gesichtsausdruck,

• die Gestik.

Wenn z.B. bei einem Meeting kraftvoll, energiegeladen und euphorisch ein neues Projekt vorgestellt wird und jemand sitzt dort mit hängenden Schultern, dann kommuniziert diese Person durchaus ihre aktuelle Stimmungslage.

Denn über unseren Körper können wir Botschaften kommunizieren, wie beispielsweise:

• „Rede weiter!“

• „Höre auf zu reden!“

• „Ich fühle mich gestresst!“

• „Es ist mir unangenehm!“

• „Das sehe ich anders!“

• „Ich mag es, wenn wir uns unterhalten.“

• „Wäre ich doch jetzt auf einer einsamen Insel!“

u.v.m.

D.h., Menschen senden unaufhörlich Signale, ohne dass sie dabei ein einziges Wort benutzen.

Unser Schöpfer gab uns einen Körper, mit dem wir u.a. in die Lage versetzt werden, die Herzenssprache „sprechen“ zu können.

Die Fähigkeit, diese Herzenssprache zu lesen und zu verstehen, ist essenziell für uns alle. In besonderem Maße profitieren Leiter davon, ganz gleich wie groß die zu leitende Gruppe ist.

Da auch eine Familie eine zu leitende Gruppe ist, betrifft dich dieses Thema folglich auch dann, wenn du Kinder hast oder beabsichtigst, eine Familie zu gründen.

Je besser ein Leiter in der Lage ist, die Herzenssprache zu verstehen, umso besser wird das Team sein, welches gebaut wird und welchem er vorsteht.

Anderenfalls können wir

• die kreativsten Präsentationen vorbereitet haben,

• rhetorisch die ausgefeiltesten Reden halten,

• die sinnvollsten Erziehungsmaßnahmen kommunizieren… -

wir werden unser Gegenüber damit nicht erreichen.

Ganz gleich, ob wir ein Unternehmen, eine Kirche, eine Kleingruppe oder eine Familie leiten – in jedem Fall haben wir es mit einem emotionalen Gefüge zu tun.

Jedes Mal, wenn wir eine Interaktion mit Menschen haben, dann tauschen wir nicht nur Informationen aus, wenngleich wir oft primär auf die Fakten fokussiert sind. Darüber hinaus nehmen wir Einfluss auf die Stimmungslage der anderen Person und damit auf ihr Herz.

Das kann bewusst oder unbewusst erfolgen- die Wahrheit ist, DASS es passiert.

Folglich fühlen wir uns nach einer Kommunikation

• besser oder schlechter,

• ermutigt oder deprimiert,

• energiegeladen oder ausgelaugt.

Jedes Mal, wenn du mit einer Person sprichst, dann zielst du nicht nur auf ihren Verstand ab, sondern auch auf ihr Herz.

Einer der nachgewiesenen Hauptgründe dafür, dass Leiter versagen, ist, dass sie einen Mangel an emotionaler Intelligenz haben.

Dabei können sie intellektuell absolut top sein, über profundes Wissen verfügen, eloquent und rhetorisch herausragend sein (und das alles ist auch wirklich gut und wertvoll), aber sie schaffen es nicht, die Sprache des Herzens zu sprechen.

Und immer, wenn das der Fall ist, fühlen sich die Menschen nicht wirklich umsorgt. Vielleicht werden die wesentlichen Aufgaben soweit erledigt, aber der Team-Spirit, das Feuer, fehlt.

Menschen, die uns nachfolgen, können ganz verschiedene „Hinweiszeichen“ tragen.

EINES jedoch besitzen alle – ausnahmslos. Jeder Mensch, den du kennst, ob groß oder klein, trägt ein Schild, auf dem steht: „Begeistere mich!“

Das meint z.B.:

• „Ruf das Beste in mir wach!“

• „Glaub an mich!“

• „Erinnere mich an meine tiefsten Werte!“

• „Sag mir immer wieder neu, was Gott in mich hineingelegt hat!“

• „Hilf mir, dieses Potenzial maximal zu entfalten und auszuschöpfen!“

• „Sag mir, was ICH werden kann!“

• „Inspiriere mich!“

Bist du dir darüber im Klaren, was es bedeutet, dass wirklich JEDER um dich herum dieses Schild trägt?

Kannst du dir vorstellen, wie oft das Leben deinen Leuten übel mitspielt, wie enttäuscht sie in ihren Familien, im Job, vom Leben überhaupt sind? Sie haben Gedanken, die sie herunterziehen…

Am Anfang haben wir meist alle hohe Ziele, edle Motive, große Visionen. Doch manchmal nutzen sich diese ab mit der Zeit, weil wir einfach nur überleben wollen.

Wir haben die besten Absichten, aber oft erleben wir im Alltag Kämpfe und Anfechtungen, die uns versuchen, aus der Bahn zu bringen. Darüber vergessen wir nur allzu leicht, welche Menschen wir eigentlich einmal werden wollten.

Wir vergessen,

• welche Freunde wir einmal werden wollten,

• dass wir eigentlich Diener zu sein haben und

• dass wir Gebende sein sollten und wollten…

Weil auch Leiter ganz normale Menschen sind, benötigen auch wir immer wieder sinnvolle Hinweiszeichen, die uns davor bewahren, unsere Kernaufgaben aus dem Fokus zu verlieren.

Vor diesem Hintergrund ist mir im Laufe der Jahre die Gebrauchsanweisung für gelingendes Leben – meine Bibel - unerlässlich und wertvoll geworden, weil ich in diesem Buch für wirklich JEDE Situation nützliche und zielorientierte Hinweise und Tipps finde.

Und was für mich gilt, gilt an der Stelle gleichermaßen auch für dich, Freund.