Die Kraft des Versagens

Hallo Freund,


vielleicht wirkt der heutige Titel des Newsletters auf den ersten Blick etwas widersprüchlich, weil

  • wir Kraft üblicherweise mit Stärke, Macht und Durchsetzungsvermögen assoziieren,

  • Versagen verbinden wir mit verlieren, ausgegrenzt sein, nicht Schritt halten können, anders sein – nicht dem entsprechen können, was von uns (von wem auch immer) erwartet wird.

Heute – am 1. April 2020 – sehe ich eine Welt voller Zwangs-Versager. Gott sei Dank. Und das meine ich durchaus nicht als Aprilscherz. Warum? Die Antwort ergibt sich aus einer Retrospektive. Lass uns dazu einmal gemeinsam an „die Zeit vor Corona“ erinnern. Nun, ich kann natürlich nicht wissen, wie Dein Alltag aussah. Aber aus meiner Arbeit als Coach und Seelsorger weiß ich, dass sehr viele Menschen unzufrieden und unglücklich mit ihrem Leben waren und jeden Tag so ziemlich das gleiche taten…  tagein, tagaus – ohne nachzudenken, weil es eben so war wie es war, eine Gewohnheit:

  • sich morgens (eher widerwillig) aus dem Bett schälen und dabei checkend, wie viele „Morgen“ es wohl noch bis zum ersehnten Wochenende sind,

  • den Arbeitstag (oder auch Schultag) mehr oder weniger abspulen - meist Dienst nach Vorschrift (oder besser noch darunter – man muss ja sehen, wie man kommt…),

  • sich tagsüber immer mal wieder echauffieren, wie belastend doch alles ist (Job, Kinder, Partner, Chef/ Mitarbeiter, Finanzen, Gesundheit, Frau Merkel und die Politik, Wirtschaft, Umwelt, …, das Leben überhaupt),

  • auf dem Nachhauseweg vielleicht noch kurz am Supermarkt anhalten, der mit einem schier unglaublich vielfältigem Angebot und prall gefüllten Regalen aufwartet, um sich dann aber zu beschweren, dass die Bananen heute viel zu fleckig sind oder ausgerechnet die eine von den insgesamt zwanzig verschiedenen Brotsorten 18 Uhr an diesem Tag nicht mehr in der Auslage verfügbar ist und es doch auch nicht sein könne, dass keine zweite Kasse geöffnet wird, weil ja doch schon sechs Personen vor einem stehen und man schließlich seine die Zeit nicht gepachtet hätte…,

  • der Abend wird mit stundenlangem Netflix, Fernsehen und Social Media zugebracht.

Vielleicht kennst du auch Menschen in deinem Umfeld, auf die das zutrifft, wenngleich ich natürlich jetzt etwas überzeichne, um es deutlicher zu machen. Daneben gab es auch diejenigen, die früh schon voll durchstarteten, um sich dann durch einen Tag zu jagen, der durchgeplant war mit Meetings, Absprachen, Abgabefristen, Lieferterminen, Events, Geschäftsessen, Small Talk, … Am Wochenende wechseln sich dann - je nach Mentalität - die oben benannten „Tagesausklangsaktivitäten“ miteinander ab oder die Zeit ist engmaschig mit Besuchen, diversen Terminen und Events durchgeplant. Ob du und ich nun eher zum einen oder anderen Extrem tendieren oder irgendwo dazwischen einzuordnen sind – eines verbindet die meisten von uns vor Corona gleichermaßen: Die Zeit für die wirklich wichtigen und wertvollen Dinge im Leben blieb größtenteils auf der Strecke, ob wir nun von der rechten oder linken Seite des Pferdes gefallen sind. Und weil darüber hinaus Dankbarkeit immer mehr zum Fremdwort mutierte, war es nur eine logische Folge, dass sich eine zunehmende Unzufriedenheit und Verstimmung breitmachten – im Einzelnen, in der Gesellschaft und global. Da wurde um Begrifflichkeiten debattiert und gestritten, Befindlichkeiten und Äußerlichkeiten zelebriert und sprichwörtliche Völkerstämme über Monate hinweg beschäftigt, um letztlich doch nur nebulöse Gesetzesverordnungen zu erlassen oder Genderthemen in den Mittelpunkt zu rücken, bei denen man sich fragt, was in aller Welt da läuft… Kann es sein, dass wir Teil einer globalen Entwicklung sind, bei der einiges so richtig arg aus dem Ruder gelaufen ist?    Der Fokus der meisten von uns lag zunehmend nur noch auf „Schneller. Besser. Weiter.“ und  „Zahlen. Daten. Fakten.“ Per se muss das noch nicht einmal etwas Negatives sein, solange WIR die Regie darüber behalten - statt, dass es UNS kontrolliert und beherrscht und wir diesen Zielen wie einem Götzen nahezu fremdgesteuert wie ein Tier nachjagen. Es macht nämlich überhaupt keinen Sinn, immer schneller zu werden, wenn du in die falsche Richtung läufst. Wenn du der Schnellste bist und statt vor dem angreifenden Löwen zu fliehen geradewegs auf ihn zu rennst, wirst du am Ende nur noch eher gefressen. (vgl. Bibel: 1. Petrus 5,8) Genau so waren – metaphorisch – viele von uns unterwegs: Wir erhöhten immer mehr die Geschwindigkeit und die Umschlagszahl und merkten oft nicht, dass wir in die falsche Richtung rannten, respektive lebten. Und wer es vielleicht doch merkte, kam nicht heraus aus diesem System, weil er einfach nicht wusste Wie. Denn von klein auf haben wir gelernt, uns einzuordnen, nicht aus dem Rahmen zu fallen, nicht zu hinterfragen, was ein Lehrer sagt. Unser Schulsystem trainiert uns auf Angepasstheit und Schwächenfokussiertheit: Wo du dem vermittelten Lehrstoff unzureichend folgst, erhältst du schlechte Schulnoten und erntest damit Kritik. Das prägt unser Leben. Die Schulzeit ist wertvoll, keine Frage - wir sammeln Wissen auf den verschiedensten Gebieten. Gleichzeitig ist individuelle Kreativität nur innerhalb klarer Grenzen erwünscht. Wenn du in jungen Jahren laut von deiner Zukunft träumst und dir beispielsweise gesagt wird: „Nun höre aber mal auf zu träumen, Freund!“ oder „Bleib mal auf dem Boden der Tatsachen. Das ist völlig unrealistisch, was du da erzählst!“, dann stutzt das ziemlich schnell die kleinen Flügel und du lernst, dich stattdessen so anzupassen, dass du Lob und Anerkennung erhältst, weil du wieder in den vorgegebenen Rahmen passt. Wir haben so gelernt, auf die Bewertung von außen zu warten und ebenso auf kreative Lösungsansätze, weshalb es vielen von uns schwer fällt, Althergebrachtes zu hinterfragen, Gewohnheiten zu ändern oder aus destruktiven Systemen auszubrechen, wenn sie denn schon erkannt werden. Die gute Nachricht ist: Wir können das jederzeit ändern, wenn wir erwachsen geworden sind. Äußerlich zumindest. Denn innerlich sind die meisten Erwachsenen irgendwann stehengeblieben und sind nur noch auf das Wachstum im Außen fokussiert:

  • mehr Ansehen,

  • mehr Einfluss,

  • mehr Geld,

  • mehr Klamotten,

  • mehr Social Media,

  • mehr Termine,

  • mehr Haus,

  • mehr … fremdgesteuert…,

  • ...

mehr innerliche Leere … Denn wenn etwas nur im Außen wächst, entsteht im Innern eine Leere. Das trifft auf alle Bereiche des Lebens zu:

  • Ein Baum, dessen Stamm im Innern hohl ist, hält den Stürmen nicht lange stand.

  • Früher oder später platzt jede Blase an der Börse, die entsteht, wenn Wirtschaftsgüter und Unternehmen tendenziell mit überhöhten Preisen gehandelt werden (äußerer Wert größer als der intrinsische/ innere Wert).

  • Ein Mensch, der nur noch im Außen wächst und sein inneres Wachstum vernachlässigt, brennt irgendwann aus oder wird depressiv und fühlt sich unglücklich.

Es funktioniert auf Dauer eben nun mal nicht, wenn wir nur im Außen wachsen wollen. Leider verstehen dieses allgemein gültige Prinzip des Lebens die wenigsten Menschen. Stattdessen kaufen sie sich von Geld, das sie nicht haben, Dinge, die sie nicht brauchen, um Menschen zu beeindrucken, die sie eigentlich gar nicht mögen und frönen so zunehmend der mehr-Schein-als-Sein-Mentalität indem sie im Außen expandieren und dabei im Innern zurückbleiben. Die meisten Menschen würden am liebsten die Welt verändern, sind aber nicht bereit, sich persönlich weiter zu entwickeln. So wird gerne viel Lärm gemacht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Schaut man hinter die Fassade stellt man fest, dass verbreitet dabei in Wirklichkeit lediglich nur an der Oberfläche etwas herumgekratzt wird. Immer zahlreicher wurden beispielsweise die Anhänger der Friday for Future Bewegungen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Stellt sich die Frage: Wer von den Anwesenden brennt wirklich mit dem Herzen für die Sache und hat dann folglich bereits auch konsequent und langfristig tiefgreifende Veränderungen seiner alltäglichen Gewohnheiten vorgenommen? Oder wer läuft nur mit, weil er irgendwie dazugehören will? Tatsächlich wollen die meisten Menschen lediglich mit bestehenden Denkmustern neue Verhaltensweisen erzielen. Logisch, dass das niemals langfristig funktionieren kann. Wir müssen folglich auch innerlich wachsen, wenn wir nachhaltige positive Veränderungen in unserem Leben, unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft generieren wollen. Nun gibt es da allerdings ein kleines Problem: Wir verändern uns nicht gern. Das ist einfach so. Warum? Weil wir dafür keine Anerkennung von außen erhalten (zumindest nicht sofort). Zudem müssten wir uns auch irgendwie mit uns selbst beschäftigen. Das könnte auf Entscheidungen hinauslaufen - das ist den meisten nichts. Und außerdem scheint es doch auf den ersten Blick auch viel einfacher zu sein, die Schuld für die eigene Unzufriedenheit und Probleme auf die Umstände, den Partner, die Kinder, die Politik… zu schieben, als die wahre Ursache bei sich selbst zu suchen. Doch das funktioniert nur so lange bis es eben nicht mehr geht. Ich glaube an einen zutiefst guten und liebenden Schöpfergott, der es vielleicht einfach nicht mehr mit ansehen konnte, wie wir uns selbst sabotieren, unsere Beziehungen und zur Verfügung gestellten Ressourcen brach liegen lassen oder sinnlos verbraten. (Bibel: Matthäus 25,14-30) Menschen verändern sich nur, wenn sie sich genug motiviert fühlen. Die zwei wesentlichsten menschliche Antriebskräfte dabei sind

  1. Schmerz vermeiden

  2. Freude erleben.

Das heißt, entweder ist es ein erstrebenswerter Lustgewinn, der uns motiviert, Veränderungen in bestehenden Systemen vorzunehmen oder das Ziel, Schmerz zu vermeiden. Bedauerlicherweise sind viele Menschen erst dann bereit, sich zu verändern, wenn der Schmerz des Festhaltens größer ist als die Angst vor dem Loslassen. Das ist der Grund, weshalb so oft eigentlich bereits als desaströs erkannte Umstände unter Erbringung aller mobilisierbaren Ressourcen und unter Aufbringung aller verfügbaren Kräfte über lange Zeiten künstlich am Laufen gehalten werden, bevor meist physische Gründe dann dem Ganzen ein Ende setzen. Und wenngleich Krankheit niemals von Gott kommt, so hat er sie doch aktuell auch zu uns durchgelassen. Nicht um uns zu ärgern. Aber vielleicht um uns auszubremsen und hoffentlich wachzurütteln. Weil Gott gut ist. Immer. Müssen wir es tatsächlich immer erst bis zum bitteren Ende kommen lassen bevor wir reagieren und die entsprechenden Veränderungen vornehmen? Wie viel Schmerz könnten wir uns und anderen ersparen? Erinnerst du dich an die Überschrift und den Anfang dieses Newsletters? Warum könnte Kraft im Versagen liegen? Weil Versagen ein äußerst attraktives Resultat reifen Denkens und eines entwickelten Geistes ist, wenn wir es einmal im Wortsinn betrachten: Ver-sagen. Das bedeutet dann wörtlich, zu etwas Nein zu sagen, etwas abzulehnen, auszusetzen, von einer Sache abzulassen. Nun, wenn du Kinder hast, kennst du das Gefühl, ihnen am liebsten jeden Wunsch zu erfüllen – einfach nur, um sie glücklich zu machen. Aber du weißt auch, dass du ihnen manchmal etwas ver-sagen musst, um sie glücklich zu machen (den zweiten Schoko-Osterhasen nach dem Essen z.B. oder den bestückten Messerblock zum dritten Geburtstag, weil das Kind mitkochen will… ;)) Du verstehst sicher, was ich meine. :) Aktuell bleiben uns allen viele Dinge ver-sagt, die wir als selbstverständlich erachteten, weil die Regierung entsprechende Präventionsmaßnahmen angeordnet hat. Was wäre, wenn uns gerade durch dieses Ver-sagen von außen die Chance geschenkt wird, das wahre Glück (vielleicht wieder ganz neu) zu entdecken und uns zu besinnen auf das, was wirklich zählt im Leben? Von oben kommen nur gute Gaben und vollkommene Geschenke.“ (Bibel: Jakobus 1,17) Was wäre, wenn die Menschheit diesen abrupten Stopp brauchte, weil die Hamsterräder immer nur noch schneller liefen und wir uns zurückentwickelten, statt aus dem, was uns gegeben wurde, etwas Gutes zu machen? Was wäre, wenn wir dieser Vollbremsung bedurften, um zu erkennen, wo wir in vermeintlich bester Absicht vielleicht schon jahrelang auf dramatische Weise in die falsche Richtung rennen und wir uns gegenseitig dabei nur zerstören? Was wäre, wenn wir die Zeit nutzten, um zu erkennen, dass wir uns selbst vergiften mit unseren Vorurteilen, Heuchelei, sozialem Neid, Egoismus, Desinteresse, kontinuierlichem Lamentieren und dabei rein gar nichts tun, um es zu ändern? Was wäre, wenn uns bewusst würde, wie viel Wert wir auf das Oberflächliche legen und wie wenig Interesse wir an den wichtigen, essenziellen Dingen zeigen? Was wäre, wenn uns klar würde, wie abwertend und vernichtend wir uns selbst behandeln, weil wir es uns nicht wert sind, Zeit für uns selbst zu nehmen? Was wäre, wenn die Zeit reif ist für eine sprichwörtliche und weltweite Generalüberholung, die nur im Herzen des Einzelnen ihren Ausgangspunkt nehmen kann? Nichts geschieht ohne Grund. Nichts. Und jeder Krise wohnt eine Chance inne. Deshalb bin ich dankbar für die Situation wie sie ist, auch wenn sie mich wie jeden anderen aus der gewohnten Komfortzone hervorholt und durchaus herausfordert – vielleicht ja auch gerade deswegen. (Bibel: Römer 8,28 und 1. Thessalonicher 5,17)) Krise ist ein sehr produktiver Zustand“, sagte Einstein. „Wir müssen ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Um zu wachsen, um auf das nächsthöhere Level zu kommen, benötigen wir neue Charaktereigenschaften und Stärken. Genau diese entwickeln wir in Krisenzeiten. Die Bibel ist voll von beeindruckenden Beispielen dazu: Mose, Joseph, Paulus, König David… Manchmal müssen wir zum Glück „gezwungen“ werden, womit ich meine, dass wir einerseits aktuell alle die Chance und Zeit bekommen, alles, wirklich alles auf den Prüfstand zu stellen – und ganz besonders uns und unser Herz. Gleichzeitig sind wir alle frei, eigenverantwortlich zu reflektieren, Chancen und neue Wege zu suchen, Entscheidungen zu treffen und zielführende Richtungswechsel einzuleiten – oder eben auch nicht. Es gilt, die Zeichen erkennen zu wollen, auch wenn (und gerade weil) die aktuellen Zeiten sehr turbulent und durchwachsen sind. Aus dieser Krise werden (ungeachtet monetärer Kriterien) Gewinner und Verlierer hervorgehen – ich hoffe und wünsche mir von ganzem Herzen, dass du zu Ersteren gehörst. Vieles ist zum Stillstand gekommen, damit du und ich die Zeit dafür zu nutzen, sich um das einzig wichtige zu kümmern: Das Leben. Unser Leben. Im Sinne dieses Newsletters wünsche ich uns deshalb, dass wir mutig und entschlossen Ver-sager werden, die bewusst und eigenverantwortlich loslassen, um zwei Hände frei zu bekommen, die dann dankbar Neues, Gutes, Lebendiges und Frisches empfangen. Lass uns das Beste daraus machen! Ich bin mir sicher, dass dann die Zeit kommt, in der wir dann voller Demut und Liebe auf die heutigen Herausforderungen zurückblicken werden, unserem guten Schöpfergott für alle Geduld, Güte, Bewahrung und Hilfe danken und diese Zeit jetzt wie ein reinigendes Sommergewitter in Erinnerung behalten: Alles ist schöner, wenn es vorbei ist. Ich bete für dich um Weisheit, die Chancen dieser Zeit zu erkennen, um Liebe, die der Wahrheit mit offenem Herzen in die Augen sieht und um Kraft, die dich befähigt, mutig und entschlossen neue und bessere Wege zu gehen. Denn Gott hat uns keinen Geist der Angst gegeben, sondern der Kraft und der Liebe. Von Herzen deine Anett & das God is good Team

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